Ohne Titel
Art
Text
Gattung
Gedicht
Sprache
Deutsch
Herstellungsort
Datierung
10.04.1642
Anlass (Allgemein, Typ)
Geburtstag
Kurztitel
Reimann 1979
Exzerpt

 

Frieden durch politische Akteure

Frieden dadurch, dass August der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel die Wünsche Gottes umsetzt:

„Nun muß ich weiter gehen / und unserm Herzog danckn/

Daß Er geführet hat Christi=Fürstliche Gedanckn/

                   Und nechst GOTT verschaffet / daß Friede worden ist

In diesem seinem Land / das billich rühmt ein Christ.“[1]

 

Beschreibung seiner Mühe um den Frieden (Verhandlungen):

„Was hat Er doch vor Müh und Spesen angewandt?

Mit Ungelegenheiten hat Er nach Wien gesandt/

                   Auch an den Bayrschen Hof / und Cöllen an den Rhein/

Und sich beklaget sehr / ab der erlidtnen Pein/

In Sachsen / Dennemarck/ u. seynd Brieff offt abgangen/

Damit man Ruh bekehm´/ und Fried möchte erlangen

[…]“[2]

Herrscher ist Instrument Gottes, nur durch seine Mittlerrolle kann der Frieden jedoch abschließend durchgesetzt werden; die Wiederherstellung des Friedens jedoch trotzdem nicht leicht, da Widerstand durch andere Personen/Potentaten zu erwarten ist, es scheint also als wäre nur August mit der Aufgabe des Friedenschließens betraut

Der Verhandlungsort Goslar stellte eine Notlösung dar. Die Gesandten von Braunschweig-Lüneburg waren nicht befugt am tagenden Reichstag in Regensburg teilzunehmen.1 Der Kaiser befürchtete, dass die Braunschweiger sich durch geschickte Dipolmatie dem Druck des Kaisers entkommen könnten.2 Außerdem galt es militärische Fragen zu klären, was der einfachheitshalber in der Nähe der Hauptarmee geschehen sollte. [1] Über die Ausgrenzung von den Verhandlungen in Regensburg beschwerte sich August, was in der hier zitierten Strophe angesprochen wird.



[1] Vgl. Reimann, 38f.

 

"Daher deß Printzen Lob kan an den Himmel reichen/

Und werden wenig ihm in diesem Stück gleichen/

Weiln Er mit seinem Raht und Fürstlichem Verstandt

Den  Frieden hat gemacht / in diesem seinem Land."

Der Fürst konnte durch sein Geschick die Verhandlungen zu einem Abschluss bringen, er wird direkt als für den Frieden verantwortlich gemacht. Der "fürstliche Verstand" verweisen auf eine hervorgehobene Stellung in der Gesellschaft, bei der er durch seine adlige Herkunft auch eine besondere Klugheit besitzt, die hier für den Erfolg der Verhandlungen verantwortlich gemacht wird.

"[...]

AUGUSTUM Er erweckt / den weisen Fürsten im Land/

Der that ein grosses Werck / ohn aller Menschen Hand/

Er setzt sich auff sein Pferdt / vertrawte GOTT die Sach/

Und gab sich auff die Reiß / nicht achtend Ungemacht/

Zum Leopold dem Held / vom Hause Österreich/

Der ihm entgegenkam / mit Trew war Er ihm gleich/

Da spührt man grosse Frewd / man hört′ viel schönes Spieln/

Die Paucken und Trompet und allen wol gefieln/

Man sahe grosse Trew / und war kein Falschheit nicht/

Denn diese Printzen fleich als Brüder liebten sich."

Nicht nur August der Jüngere wird hier als wichtiger Akteure in dem Prozess des Friedensschluss genannt und gehuldigt. Auch Leopold Wihlem von Österreich wird als Schlüsselfigur dargestellt, der auf der Seite des Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel maßgeblich bei dem politischen Ereignissen beteiligt war. Diese Stelle verdient besonderes Interesse: Dem Kaiser erschien eine militärische Lösung für die braunschweig-lüneburgische Frage für erfolgversprechend, daher sollten die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg als Reichsfeinde angesehen werden, immerhin kämpften sie an der Seite der Schweden und Franzosen.3 Leopold erhielt vom Kaiser weiterhin die Vollmacht, die Verhandlungen mit den Fürsten von Braunschweig-Lüneburg zu führen. Zweiter kaiserlicher Handlungsführer war Piccolomini4



[1] Quartus Iduum Aprilis 1642.

[2] Quartus Iduum Aprilis 1642.

  • 1. Reimann 1979, S.23.
  • 2. Vgl. Reimann 1979, S.25.
  • 3. Reimann 1979, S.22.
  • 4. Vgl. Reimann 1979, S.43f.