Dankpredigt ueber den großen und herrlichen Sieg
Welchen Se. Majestät unser allerweiseste König Den 5. December 1757. Ueber die gesammte und weit überlegene Macht der Oesterreichischen Kriegesvölker bey Leuthen in Schlesien erfochten.
Titelzusatz
Gehalten am Sabbath / den 10ten desselben Monaths in der Synagoge der hiesigen Judengemeine von David Hirschel Fränckel Ober-Land-Rabiner. Ins Deutsche übersetzt nach dem zu Berlin in der königl. Preußischen Hof-Buchdruckery gedruckten Original.
Objektart
Druck
S./Bl. des enthaltenen Werkes
S. 1–16
Verwalter
Inventarnummer/Signatur
AB 43 14/k, 3 (14) (1)
Verlag
Stock Erben
Herstellungsort
Datierung
1758
Beschreibstoff
Papier
Technik
Typendruck
Inschriften/Stempel
Anbringungsort
Recto
Signatur Beschreibung
Signatur (Typ)
Verlagsadresse
Signatur (Inhalt)
In Commißion zu finden in Frankfurt bey Stocks Erben Schilling und Weber 1758.
Signatur (Position)
mittig unten
VD18-Nr.
11310065
Bearbeiter
Henning Jürgens
Kommentar

Schon nach den siegreichen Schlachten in den ersten beiden Jahren des Siebenjährigen Kriegs wurden in der Berliner Synagoge durch den Oberrabbiner David Hirschel Fränkel Dankpredigten gehalten, die anschließend im Druck erschienen. In der vorliegenden Predigt nach dem Sieg Friedrichs II. in der Schlacht bei Leuthen in Schlesien am 5.12.1757 feiert der Prediger ihn als "vielgeliebten Monarchen", rühmt seinen Heldenmut und seine Friedensliebe, die ihn nur aus Notwehr solche Schlachten führen lasse. Gleichwohl betont Fränkel, dass Kriegsglück und Sieg nur als Wirken Gottes verstanden werden können, und mahnt, keine Freude über den Tod der Feinde zu zeigen:  "Wir sind alle Kinder des einzigen lebendigen Gottes. Auch diejenige, die sich unsere Feinde nennen, sind das Werk seiner Hände und lieben und fürchten ihn. Wir würden sie lieben wie unsere Brüder, wenn sie nicht von einer verkehrten Leidenschafft verführt worden wären, die Ruhe unseres vielgeliebten Monarchen zu stöhren. Wollen wir also jauchzen, wollen wir uns einer milden ungezähmten Freude überlassen, wenn das Werk der Hände Gottes untergehet?" In der Auslegung von 1. Mose 14 setzt Fränkel Friedrich II. mit Abraham gleich. Die Auslegung belegt das Bemühen der Berliner Synagogengemeinde, sich als loyale Untertanen des preußischen Königs zu präsentieren. Die vorliegende Predigt wurde nicht, wie lange angenommen, von Moses Mendelssohn verfasst, sondern lediglich von ihm aus dem Hebräischen übersetzt.1 Sie ist damit ein sehr früher Beleg für den deutschsprachigen Druck jüdischer Predigten.2 Basierend auf dem Berliner Exemplar erschienen weitere Ausgaben in Frankfurt am Main, Erlangen sowie in englischer Sprache in London und Boston (MA). Eine deutschsprachige Ausgabe in Philadelphia (PA) erweist sich als Rückübersetzung der Londoner Ausgabe.3

HPJ

 

  • 1.Vgl. Gad Freudenthal: Rabbi David Fränckel, Moses Mendelssohn, and the Beginning of the Berlin Haskalah: Reattributing a Patriotic Sermon (1757), in: European Journal of Jewish Studies 1 (2007), S. 3–33
  • 2.Nach Alexander Altmann: Moses Mendelssohn. A Biographical Study, Alabama 1973, S. 68, handelt es sich bei dieser Predigt sogar um "the earliest known specimen of modern Jewish preaching in the German tongue".
  • 3.Vgl. Freudenthal, S. 29
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